Schlösser und Beschläge

Schließzylinder-Länge messen: So geht es richtig

Von der Stulpschraube nach außen und nach innen: wie Sie die Länge eines Profilzylinders sicher bestimmen, ohne den falschen Ersatz zu bestellen.

Redaktion Dvery · Stand 26. Oktober 2026

Die Länge eines Schließzylinders bestimmen Sie mit zwei Messungen: von der Mitte der Befestigungsschraube bis zum äußeren Ende und von derselben Mitte bis zum inneren Ende. Daraus ergibt sich eine Angabe wie 30/35 oder 35/45. Wer so misst und anschließend den Überstand am Beschlag prüft, bestellt den richtigen Ersatz beim ersten Mal.

Klingt einfach, und doch gehören falsch gemessene Zylinder zu den häufigsten Gründen für Rücksendungen. Meist liegt es an der falschen Bezugslinie, an vertauschten Seiten oder an einem neuen Beschlag, der dicker ist als der alte. Diese Anleitung zeigt, wie Sie die Fehler vermeiden.

Was die Zahlen bedeuten

Ein Profilzylinder besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte durch die Schließnase verbunden sind. Die Schließnase ist der drehbare Mitnehmer, der den Riegel im Einsteckschloss bewegt. Genau auf ihrer Höhe sitzt die Gewindebohrung, in die die Stulpschraube von der Stirnseite der Tür aus greift. Diese Bohrung ist der Bezugspunkt für jede Messung.

  • Erstes Maß (A): von der Mitte der Schraubenbohrung bis zum Ende der einen Zylinderhälfte, in der Regel der Außenseite.
  • Zweites Maß (B): von der Mitte der Schraubenbohrung bis zum Ende der anderen Hälfte, meist der Innenseite.
  • Gesamtlänge: die Summe aus beiden, also bei 30/35 insgesamt 65 mm.

Gemessen wird immer der Zylinderkörper. Schlüssel, Knauf oder eine aufgesetzte Rosette gehören nicht dazu.

Methode 1: Am ausgebauten Zylinder messen

Diese Methode ist am genauesten, weil Sie den Zylinder direkt vor sich haben.

  1. Zylinder ausbauen: Die Stulpschraube an der Stirnseite der Tür lösen, Schlüssel einstecken und etwas drehen, bis die Schließnase in Flucht mit dem Zylinderkörper steht. Dann lässt sich der Zylinder herausziehen. Wie das im Detail geht, beschreibt die Anleitung Schließzylinder wechseln.
  2. Seiten markieren: Bevor Sie messen, ein Stück Klebeband auf die Außenseite kleben. So vertauschen Sie die Maße nicht.
  3. Bezugspunkt finden: Die Mitte der Gewindebohrung liegt genau unter der Schließnase. Legen Sie den Zylinder flach hin und setzen Sie den Messschieber oder einen Zollstock exakt dort an.
  4. Beide Seiten messen: Von der Bohrungsmitte bis zur äußeren Stirnfläche, dann bis zur inneren. Auf den Millimeter genau notieren.
  5. Kennzeichnung prüfen: Viele Zylinder tragen die Maße eingeprägt oder sie stehen auf der Sicherungskarte. Die Prägung ist ein guter Abgleich, ersetzt die Messung aber nicht, falls bei einem Umbau der Beschlag gewechselt wurde.

Methode 2: An der Tür messen, ohne Ausbau

Wer einen neuen Beschlag montiert oder den alten Zylinder nicht ausbauen kann, misst die Tür selbst aus. Gesucht ist dann nicht die Länge des alten Zylinders, sondern die Länge, die der neue haben muss.

  1. An der Stirnseite der Tür die Mitte der Stulpschraube anzeichnen.
  2. Von dieser Mitte bis zur Außenfläche des Außenbeschlags messen, rechtwinklig zum Türblatt.
  3. Von derselben Mitte bis zur Innenfläche des Innenbeschlags messen.
  4. Zu jedem Wert die nächstgrößere erhältliche Teillänge wählen.

Dabei gilt: Außen soll der Zylinder bündig sein oder nur wenig überstehen. Innen ist ein etwas größerer Überstand unkritisch, solange der Schlüssel bequem greifbar bleibt.

Halbzylinder, Doppelzylinder, Knaufzylinder

Bauform Einsatz So wird gemessen Typische Angabe
Doppelzylinder Haus- und Wohnungstüren, beidseitig mit Schlüssel beide Seiten ab Bohrungsmitte 30/30, 30/35, 35/40
Knaufzylinder Wohnungstüren, innen ohne Schlüssel bedienbar Knaufseite bis Ende Zylinderkörper, ohne Knauf 30/K35, 35/K40
Halbzylinder Tore, Schaltkästen, Briefkastenanlagen Zylinderseite ab Bohrungsmitte, Gegenseite ist ein kurzer Fortsatz 10/30, 10/40
Hebelzylinder / Sonderformen Möbel, Rolltore nach Herstellerskizze herstellerabhängig

Beim Knaufzylinder steht in der Bezeichnung oft ein K vor dem Knaufmaß. Bei Halbzylindern ist das kurze Maß meist 10 mm und gehört zur Seite ohne Schlüssel. Wer einen Halbzylinder ersetzt, misst nur die Schlüsselseite und übernimmt das kurze Maß.

Welche Längen es gibt

Profilzylinder werden in festen Abstufungen angeboten. Verbreitet sind Schritte von 5 mm, beginnend bei einer Grundlänge um 30 mm je Seite. Manche Hersteller bieten kürzere Grundlängen oder Zwischengrößen an, andere fertigen Sonderlängen auf Bestellung. Liegt Ihr Messwert zwischen zwei Größen, wählen Sie für die Außenseite die Größe, die den geringsten Überstand ergibt, ohne dass der Zylinder im Beschlag verschwindet.

Gemessen (Außenseite bis Beschlagfläche) Passende Teillänge außen Überstand
28 mm 30 mm 2 mm
31 mm 35 mm 4 mm, bei 5-mm-Stufen nicht vermeidbar
37 mm 40 mm 3 mm
44 mm 45 mm 1 mm

Die Tabelle zeigt Rechenbeispiele. Die tatsächlich erhältlichen Zwischengrößen hängen vom Hersteller ab.

Rechenbeispiel aus der Praxis

Eine Wohnungstür soll einen neuen Schutzbeschlag und einen neuen Zylinder bekommen. Gemessen wird bei montiertem neuen Beschlag:

  • Von der Mitte der Stulpschraube bis zur Außenfläche des Schutzbeschlags: 38 mm.
  • Von der Mitte der Stulpschraube bis zur Innenfläche des Innenbeschlags: 31 mm.

Außen passt die nächste Stufe 40 mm, der Zylinder steht dann 2 mm über. Innen wäre 35 mm die nächste Stufe, also 4 mm Überstand, was innen unkritisch ist. Bestellt wird ein Zylinder 40/35, wobei 40 mm nach außen zeigen. Soll innen später ein Nachrüstantrieb montiert werden, prüfen Sie vorher, welchen Überstand der Hersteller verlangt. Möglicherweise ist dann innen eine längere Stufe sinnvoll.

Hätte man den alten Zylinder 30/30 einfach nachbestellt, wäre er im dickeren Schutzbeschlag um 8 mm versenkt gewesen. Der Schlüssel hätte nicht vollständig gegriffen.

Wie viel Überstand ist erlaubt?

Ein Zylinder, der außen weit aus dem Beschlag ragt, ist eine Schwachstelle. Mit einer Zange oder einem Ziehwerkzeug lässt er sich greifen, verdrehen und im ungünstigen Fall an der Sollbruchstelle abbrechen. Polizeiliche Beratungsstellen empfehlen deshalb, den Zylinder außen möglichst bündig mit dem Beschlag abschließen zu lassen und nur wenige Millimeter Überstand zuzulassen.

Noch besser ist ein Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung. Er umschließt den Zylinder mit einer gehärteten Rosette, sodass ein Überstand kaum angreifbar ist. Welcher Beschlag zu welcher Tür passt, beschreibt die Übersicht Schlösser und Beschläge.

Zu kurz ist ebenfalls keine Lösung: Sitzt der Zylinder tiefer als die Beschlagfläche, lässt sich der Schlüssel oft nicht ganz einstecken. Das führt zu Fehlfunktionen und belastet den Schlüssel beim Drehen.

Sonderfall Smart Lock und Not- und Gefahrenfunktion

Wer einen Nachrüstantrieb auf die Innenseite setzen will, muss beim Messen zusätzlich die Vorgaben des Herstellers beachten. Viele Antriebe brauchen innen einen bestimmten Überstand, damit die Montageplatte greift, oder sie werden auf einen mitgelieferten Spezialzylinder gesetzt. Außerdem setzen sie meist einen Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion voraus. Mit ihr lässt sich die Tür von außen aufschließen, obwohl innen ein Schlüssel steckt. Worauf es bei der Auswahl ankommt, erklärt der Artikel Smart Lock nachrüsten.

Typische Messfehler

  • Falscher Bezugspunkt: Gemessen wird ab der Mitte der Schraubenbohrung, nicht ab der Kante der Schließnase oder ab dem Türfalz.
  • Seiten vertauscht: Außen 35 und innen 30 ist etwas anderes als 30/35. Immer markieren, welche Seite nach außen zeigt.
  • Neuer Beschlag nicht berücksichtigt: Ein Schutzbeschlag ist oft deutlich dicker als eine einfache Rosette. Wer Beschlag und Zylinder gleichzeitig tauscht, misst mit dem neuen Beschlag oder rechnet dessen Stärke ein.
  • Schlüssel mitgemessen: Der Schlüsselkopf zählt nicht zur Länge.
  • Zollstock schräg angelegt: Die Messung muss rechtwinklig zum Türblatt erfolgen. Ein Messschieber ist hier genauer als ein Zollstock.

Checkliste vor der Bestellung

  • Maß außen und innen notiert, Seiten eindeutig zugeordnet
  • Bauform bestimmt: Doppel-, Knauf- oder Halbzylinder
  • Überstand außen geprüft, idealerweise bündig oder nur wenige Millimeter
  • Beschlag auf Schutzfunktion geprüft und bei Bedarf mit ausgetauscht
  • Bei Smart-Lock-Plänen: Not- und Gefahrenfunktion und Herstellervorgaben beachtet
  • Anzahl der Schlüssel und Sicherungskarte für Nachschlüssel festgelegt
  • Bei Schließanlagen: Ersatz über den Verwalter oder den Anlagenhersteller bestellen, nicht als Einzelzylinder

Mit diesen Punkten ist die Bestellung schnell erledigt. Der Einbau selbst dauert dann meist nur wenige Minuten.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Seite wird bei der Zylinderlänge zuerst genannt?
Üblich ist die Angabe Außenseite vor Innenseite, also bei 30/35 außen 30 mm und innen 35 mm. Die Hersteller halten sich aber nicht alle daran. Prüfen Sie deshalb vor der Bestellung die Skizze im Datenblatt oder messen Sie beide Seiten getrennt und notieren Sie, welche nach außen zeigt.
Kann ich die Länge messen, ohne den Zylinder auszubauen?
Ja. Messen Sie an der Stirnseite der Tür von der Mitte der Stulpschraube bis zur Außenfläche des Beschlags und auf der anderen Seite bis zur Innenfläche. Zu diesen Werten wählen Sie den nächstgrößeren Zylinder, der außen nur wenig übersteht. Genauer ist das Nachmessen am ausgebauten Zylinder.
Was passiert, wenn der Zylinder zu lang ist?
Ein Zylinder, der außen deutlich über den Beschlag hinausragt, bietet Angriffsfläche. Er lässt sich mit Werkzeug greifen und im ungünstigen Fall abbrechen. Innen stört ein zu langer Zylinder vor allem den Komfort. Ist er zu kurz, sitzt er versenkt im Beschlag und der Schlüssel lässt sich oft nicht vollständig einstecken.
Wie messe ich einen Knaufzylinder?
Wie einen normalen Doppelzylinder, nur endet das Maß auf der Knaufseite am Zylinderkörper. Der Knauf selbst wird nicht mitgemessen. Hersteller geben das in ihren Skizzen meist ausdrücklich an, ein Blick ins Datenblatt schafft Klarheit.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Dvery.