Barrierefreie Türen: Breiten, Schwellen, Antriebe
Lichte Breite, Schwellen, Bewegungsflächen und Türantriebe: welche Anforderungen DIN 18040-2 an Türen stellt und wie Sie eine Wohnung schrittweise anpassen.
Redaktion Dvery · Stand 27. Oktober 2026
Türen sind für viele Menschen die größte Hürde in der eigenen Wohnung. Mit Rollator oder Rollstuhl wird eine zu schmale Tür zur Barriere, eine Schwelle zur Stolperfalle und ein schwergängiger Drücker zum Problem. Barrierefreie Türen lösen das, und sie machen das Wohnen für alle bequemer: mit Kinderwagen, Einkaufstaschen oder nach einer Knieoperation.
Dieser Bereich fasst die wichtigsten Anforderungen zusammen und zeigt, wie sich Türen im Bestand anpassen lassen.
Die Norm: DIN 18040-2
Für barrierefreies Bauen im Wohnbereich gilt DIN 18040-2. Sie unterscheidet zwei Stufen:
- barrierefrei nutzbar: für Menschen mit Gehhilfen, Rollator oder eingeschränkter Beweglichkeit
- barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar, in Plänen oft mit „R“ gekennzeichnet
Ob und in welchem Umfang die Norm verbindlich ist, hängt von der Landesbauordnung ab. Im privaten Bestand ist sie meist eine Empfehlung, bei Neubauten mit mehreren Wohnungen schreiben die Länder oft einen Anteil barrierefreier Wohnungen vor.
Die wichtigsten Maße für Türen
| Anforderung | barrierefrei nutzbar | uneingeschränkt mit Rollstuhl (R) |
|---|---|---|
| Lichte Durchgangsbreite | mindestens 80 cm | mindestens 90 cm |
| Lichte Durchgangshöhe | mindestens 205 cm | mindestens 205 cm |
| Schwelle | keine, technisch unvermeidbar höchstens 2 cm | keine, technisch unvermeidbar höchstens 2 cm |
| Bewegungsfläche vor Türen | mindestens 120 × 120 cm | mindestens 150 × 150 cm |
| Höhe von Drücker und Bedienelementen | etwa 85 cm (Achsmaß) | etwa 85 cm (Achsmaß) |
Wichtig ist der Unterschied zwischen lichter Durchgangsbreite und Baurichtmaß. Eine Standardtür mit Baurichtmaß 875 mm bietet weniger freien Durchgang, als die Zahl vermuten lässt, weil Zarge, Türblatt und Bänder Platz beanspruchen. Für 90 cm lichte Breite ist in der Regel eine Tür mit Baurichtmaß 1000 mm nötig. Normmaße und einen Rechner finden Sie im Bereich Türmaße.
Schwellen und Übergänge
Schwellen sind eine der häufigsten Stolperfallen. Bei Innentüren ist ein schwellenloser Übergang meist einfach, wenn die Bodenbeläge auf gleicher Höhe liegen. Bei Haus-, Terrassen- und Balkontüren ist eine Schwelle oft nötig, um Schlagregen abzuhalten. Hier helfen:
- Magnet-Doppeldichtungen: Ein Magnet zieht die Dichtung beim Schließen an, der Boden bleibt nahezu eben.
- Absenkdichtungen: Eine Dichtung im Türblatt senkt sich beim Schließen ab und hebt sich beim Öffnen.
- Rinnen und Gefälle: Außen eine Entwässerungsrinne vor der Tür entlastet die Abdichtung.
Bedienung: Drücker, Kraft und Sicht
Neben Breite und Schwelle zählt, wie leicht sich eine Tür bedienen lässt:
- Drücker statt Knauf: Drücker in Bogen- oder U-Form lassen sich auch mit eingeschränkter Handkraft gut greifen.
- Bedienkraft: Schwere Türen und starke Türschließer sind für viele kaum zu öffnen. Türschließer lassen sich oft schwächer einstellen, oder ein Antrieb übernimmt.
- Kontraste: Türen, Zargen und Drücker, die sich farblich von der Wand abheben, helfen Menschen mit Sehbehinderung.
- Glastüren markieren: Ganzglastüren brauchen gut sichtbare Markierungen auf Augenhöhe.
Schiebetüren als Alternative
Schiebetüren haben keinen Schwenkbereich und sind deshalb für Rollstuhlnutzer oft angenehmer als Drehtüren. Man muss nicht zurückrollen, um die Tür aufzuziehen. Einbau-Schiebetüren in der Wand lassen den Durchgang komplett frei. Allerdings brauchen sie leichtgängige Beschläge und gut greifbare Griffe. Mehr dazu im Bereich Schiebetüren und Glastüren.
Automatische Türantriebe
Ein Türantrieb öffnet und schließt die Tür per Taster, Funkfernbedienung, Bewegungsmelder oder Smartphone. Für Wohnungen gibt es:
- Drehtürantriebe: werden oben auf Türblatt oder Zarge montiert und öffnen eine vorhandene Drehtür motorisch. Viele Modelle lassen sich auch von Hand normal bedienen.
- Schiebetürantriebe: bewegen eine Schiebetür automatisch, im Wohnbereich vor allem bei Vorwand-Schiebetüren.
- Haustürantriebe mit Motorschloss: verbinden Entriegelung und Öffnung. Die Tür entriegelt per Code oder Chip und schwenkt anschließend auf.
Bei der Auswahl zählen Gewicht der Tür, Stromanschluss, Sicherheitssensoren gegen Einklemmen und eine Möglichkeit zur Bedienung bei Stromausfall. Viele Antriebe lassen sich mit Smart-Home-Systemen und Zutrittslösungen kombinieren, siehe Smart Lock und intelligente Türsysteme.
Schritt für Schritt im Bestand
Nicht jede Wohnung lässt sich vollständig nach Norm umbauen. Oft bringen kleine Schritte viel:
- Schwellen entfernen oder durch flache Übergangsprofile ersetzen.
- Türblätter aushängen, wo keine Tür nötig ist, etwa zwischen Flur und Wohnzimmer.
- Badtür nach außen öffnend oder als Schiebetür umbauen, damit sie im Notfall nicht blockiert.
- Türöffnungen dort verbreitern, wo es statisch und baulich möglich ist. Dafür braucht es bei tragenden Wänden einen Statiker.
- Antriebe an den meistgenutzten Türen nachrüsten.
Förderung und Beratung
Für den barrierereduzierenden Umbau gibt es je nach Lage Förderung über die KfW, Programme der Länder und bei Pflegegrad Zuschüsse der Pflegekasse für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds. Bedingungen und Budgets ändern sich, deshalb gilt: vor Beginn beantragen und den aktuellen Stand prüfen. Wohnberatungsstellen in vielen Städten und Kreisen beraten zu sinnvollen Anpassungen, oft kostenlos.
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Fragen und Antworten
- Wie breit muss eine barrierefreie Tür sein?
- DIN 18040-2 verlangt für barrierefreie Wohnungen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 80 cm. Für Wohnungen, die uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein sollen, sind mindestens 90 cm gefordert. Gemeint ist der freie Durchgang bei geöffneter Tür, nicht das Baurichtmaß. Für 90 cm lichte Breite ist meist eine Tür mit Baurichtmaß 1000 mm nötig.
- Sind Türschwellen in barrierefreien Wohnungen erlaubt?
- Grundsätzlich sollen Türen schwellenlos sein. Wo eine Schwelle technisch unvermeidbar ist, etwa an Haus- und Balkontüren wegen der Abdichtung, darf sie nach der Norm höchstens 2 cm hoch sein. Magnet- und Absenkdichtungen machen schwellenlose Übergänge mit guter Dichtheit möglich.
- Gibt es Zuschüsse für barrierefreie Türen?
- Für den barrierereduzierenden Umbau gab und gibt es Förderprogramme, etwa über die KfW. Wer einen Pflegegrad hat, kann bei der Pflegekasse einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen beantragen. Bedingungen und Höhe ändern sich, deshalb vor Beginn der Arbeiten beantragen und den aktuellen Stand prüfen.
- Was kostet ein automatischer Türantrieb?
- Das hängt von Bauart, Türgewicht und Steuerung ab. Drehtürantriebe für Innentüren im Wohnbereich sind deutlich günstiger als Antriebe für schwere Haustüren mit Anbindung an Zutrittskontrolle. Dazu kommen Stromanschluss, Montage und Taster oder Funkfernbedienung. Ein Angebot nach Besichtigung schafft Klarheit.
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Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Dvery.