Innentüren

Zimmertür lackieren ohne Streifen: Schritt für Schritt

Aushängen, anschleifen, grundieren, dünn rollen: wie eine Zimmertür eine glatte, streifenfreie Lackoberfläche bekommt und welche Fehler Sie vermeiden.

Redaktion Dvery · Stand 26. Oktober 2026

Eine Zimmertür wird streifenfrei, wenn drei Dinge stimmen: ein sauber angeschliffener, staubfreier Untergrund, ein zum Altanstrich passender Lack und eine zügige Arbeitsweise nass in nass mit einer feinporigen Rolle. Die meisten Streifen, Ansätze und Läufer entstehen nicht durch schlechten Lack, sondern durch zu dicken Auftrag oder durch Arbeiten in bereits anziehendem Lack.

Diese Anleitung beschreibt den Ablauf für lackierte Holz- und Röhrenspantüren, wie sie in vielen Wohnungen stecken. Ob sich Lackieren überhaupt lohnt oder Folieren die bessere Wahl ist, vergleicht der Beitrag Türen streichen oder folieren. Grundlagen zu Türblatt, Zarge und Oberflächen stehen im Bereich Innentüren.

Material und Werkzeug

Bevor es losgeht, sollte alles bereitliegen. Unterbrechungen mitten im Lackieren sind der häufigste Grund für sichtbare Ansätze.

  • Schraubendreher für Drücker und Schließblech, eventuell Innensechskant für die Drückerbefestigung
  • zwei Böcke oder stabile Unterlagen, alternativ zwei lange Schrauben für die Wendetechnik (siehe unten)
  • Reiniger zum Entfetten, etwa ein Anlauger oder mildes Spülmittelwasser, dazu klares Wasser
  • Schleifpapier oder Schleifvlies in den Körnungen um 120, 180 bis 240 und für den Zwischenschliff 240 bis 320
  • Feinspachtel für Macken und Löcher
  • Grundierung oder Haftgrund, passend zu Untergrund und Lack
  • Lack für innen, seidenmatt oder glänzend
  • feinporige Schaumstoffrolle oder kurzflorige Velourrolle (etwa 10 cm breit) mit Abstreifgitter
  • guter Lackierpinsel für Profile, Kassetten und Kanten
  • Malerkrepp, Abdeckfolie, staubbindendes Tuch

Schritt 1: Tür aushängen und Beschläge abbauen

Am saubersten wird das Ergebnis am liegenden Türblatt. Öffnen Sie die Tür, heben Sie sie senkrecht aus den Bändern und legen Sie sie auf Böcke. Schrauben Sie Drückergarnitur und, falls vorhanden, Rosetten ab. Das Schloss im Türblatt bleibt meist drin, die Stulpe an der Stirnseite wird mit Krepp abgeklebt.

Ein bewährter Trick für beide Seiten an einem Tag: Je eine lange Schraube mittig in Ober- und Unterkante drehen und das Türblatt auf zwei Böcke legen, deren Auflagen die Schrauben tragen. So lässt sich die Tür nach dem Lackieren einer Seite vorsichtig wenden, ohne die frische Fläche zu berühren. Verlassen Sie sich darauf nur bei stabilen Böcken und mit einer zweiten Person.

Die Zarge bleibt in der Wand. Kleben Sie die angrenzende Wand, die Dichtung und den Boden sorgfältig ab. Eine Gummidichtung lässt sich bei vielen Zargen aus der Nut ziehen und nach dem Trocknen wieder eindrücken, das ist sauberer als Abkleben.

Schritt 2: Reinigen

Türen sind im Griffbereich oft fettig. Fett und Pflegemittelreste verhindern, dass Spachtel und Lack haften. Waschen Sie das Türblatt mit Anlauger oder Spülmittelwasser ab, spülen Sie mit klarem Wasser nach und lassen Sie alles trocknen.

Schritt 3: Ausbessern und anschleifen

Kleine Dellen, Kratzer und alte Schraublöcher werden gespachtelt und nach dem Trocknen plan geschliffen. Danach wird die gesamte Fläche angeschliffen, damit sie matt ist und der neue Lack Halt findet:

  • Intakter Altlack: mit Körnung 180 bis 240 anschleifen, bis kein Glanz mehr zu sehen ist. Nicht bis aufs Holz durchschleifen.
  • Abplatzende Stellen: lose Teile entfernen, Ränder mit gröberer Körnung um 120 beischleifen, damit keine Kante stehen bleibt, danach fein nachschleifen.
  • Profile und Kassetten: mit Schleifvlies oder Schleifschwamm, damit die Kanten nicht rund geschliffen werden.

Bei sehr alten Türen aus dem Altbau können frühere Anstriche Schadstoffe enthalten. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie den Altanstrich prüfen und schleifen Sie nicht trocken mit der Maschine.

Anschließend gründlich entstauben: absaugen, dann mit einem staubbindenden Tuch nachwischen. Jedes Staubkorn, das jetzt liegen bleibt, ist später im Lack als Pickel zu sehen.

Schritt 4: Grundieren, wenn nötig

Ob eine Grundierung nötig ist, hängt vom Untergrund ab:

Untergrund Vorbereitung
intakter, angeschliffener Lack meist keine Grundierung, direkt lackieren
gespachtelte oder durchgeschliffene Stellen punktuell vorstreichen, sonst zeichnen sie sich ab
rohes Holz Grundierung oder Vorlack, bei harzreichen Hölzern nach Herstellerangabe
CPL, HPL, Dekorfolie gründlich anschleifen und speziellen Haftgrund verwenden
Wechsel von Kunstharz auf Acryl Herstellerangabe prüfen, oft Haftgrund empfohlen

Halten Sie sich an das System eines Herstellers, also Grundierung und Lack, die zueinander passen. Das vermeidet Haftungsprobleme und Rissbildung.

Schritt 5: Lackieren ohne Streifen

Jetzt kommt der Teil, der über das Ergebnis entscheidet. Die Grundregel lautet: dünn, zügig und immer in den noch nassen Bereich hinein.

  1. Profile und Kanten zuerst. Bei Kassettentüren zuerst die vertieften Profile mit dem Pinsel lackieren, dann sofort die Flächen mit der Rolle. Stirnkanten mit dem Pinsel, überschüssigen Lack an der Kante gleich abstreichen, damit keine Nasen entstehen.
  2. Lack aufnehmen und abstreifen. Die Rolle im Lack tränken und am Gitter gut abstreifen. Eine übervolle Rolle ist der häufigste Grund für Läufer.
  3. Auftragen und verteilen. Einen Abschnitt von etwa einem Drittel der Türfläche zügig in Bahnen auftragen und quer verteilen.
  4. Abrollen in einer Richtung. Ohne neuen Lack aufzunehmen, die Fläche mit leichtem Druck in Längsrichtung der Tür in parallelen, leicht überlappenden Bahnen von Kante zu Kante abrollen. Dabei die Rolle nicht mitten in der Fläche absetzen.
  5. Nass in nass anschließen. Den nächsten Abschnitt sofort anschließen und in den noch feuchten Rand hineinarbeiten. Liegen Minuten zwischen zwei Abschnitten, entstehen sichtbare Ansätze.
  6. Nicht nachbessern. Ist ein Bereich angezogen, nicht mehr darüberrollen. Kleine Fehler werden nach dem Trocknen geschliffen und mit der zweiten Schicht ausgeglichen.

Raumtemperatur und Luft spielen mit: Bei großer Wärme, direkter Sonne oder Zugluft zieht Lack schneller an und lässt sich schlechter verschlichten. Ein Raum mit gemäßigter Temperatur, ohne Durchzug und mit wenig Staub ist ideal. Halten Sie sich an die Verarbeitungstemperatur auf dem Gebinde.

Schritt 6: Zwischenschliff und zweite Schicht

Nach dem Durchtrocknen der ersten Schicht laut Herstellerangabe folgt ein leichter Zwischenschliff mit Körnung 240 bis 320 oder feinem Schleifvlies. Er nimmt Staubeinschlüsse und kleine Unebenheiten weg. Danach wieder gründlich entstauben und die zweite Schicht genauso dünn auftragen wie die erste. Zwei dünne Schichten decken gleichmäßiger und verlaufen besser als eine dicke.

Schritt 7: Zarge lackieren und Tür einhängen

Die Zarge wird im eingebauten Zustand mit Pinsel und schmaler Rolle lackiert, die Reihenfolge bleibt gleich: Kanten und Falz zuerst, dann die Flächen, abrollen in Längsrichtung. Das Malerkrepp ziehen Sie am besten ab, solange der Lack noch nicht ganz durchgetrocknet ist, damit die Kante sauber bricht.

Hängen Sie das Türblatt erst wieder ein, wenn es griffest ist. In den ersten Tagen ist frischer Lack noch weich. Drücker vorsichtig montieren, die Dichtung erst nach dem Trocknen wieder einsetzen und die Tür eine Weile nicht fest ins Schloss ziehen, damit nichts anklebt.

Typische Lackierfehler und ihre Ursachen

Fehlerbild Häufige Ursache Abhilfe
Streifen und Ansätze Lack zog an, bevor der nächste Abschnitt anschloss kleinere Abschnitte, zügig nass in nass, kühler Raum ohne Zugluft
Läufer und Nasen zu viel Lack, vor allem an Kanten und Profilen Rolle abstreifen, Kanten sofort abstreichen, nach dem Trocknen abschleifen
Orangenhaut zu dicker Auftrag oder ungeeignete, grobe Rolle feinporige Rolle, dünner auftragen
Pickel und Staubkörner Schleifstaub, Fusseln, Luftzug gründlich entstauben, Raum vorher feucht wischen
Lack blättert ab Untergrund nicht angeschliffen, fettig oder ungeeignet entfetten, anschleifen, Haftgrund verwenden
ungleicher Glanz Lackschichten unterschiedlich dick, Spachtel nicht vorgestrichen gespachtelte Stellen grundieren, gleichmäßig dünn rollen

Wann sich Lackieren nicht lohnt

Lackieren eignet sich für Türen, die stabil und gerade sind und deren Oberfläche nur abgenutzt, vergilbt oder unmodern ist. Bei verzogenen Türblättern, aufgequollenen Kanten oder losen Folien hilft auch der beste Lack nicht. Schleift die Tür am Boden oder klemmt sie, sollte das vor dem Lackieren behoben werden, denn nach dem Nachstellen der Bänder oder Kürzen des Türblatts müssen sonst frische Stellen ausgebessert werden. Wie man dabei vorgeht, steht im Bereich Türen einbauen.

Für massive Altbau-Holztüren mit vielen Farbschichten kann sich auch ein vollständiges Entlacken lohnen, damit Profile wieder scharf werden. Das ist aufwendig und eher ein Fall für eine Werkstatt, die Türen ablaugt oder fachgerecht entschichtet.

Checkliste vor dem ersten Rollstrich

  • Türblatt liegt stabil und waagerecht, beide Seiten erreichbar
  • Beschläge ab, Schlossstulpe und Bandbereiche abgeklebt
  • Fläche entfettet, gespachtelt, angeschliffen und staubfrei
  • Grundierung, wo nötig, durchgetrocknet
  • Lack gut aufgerührt, Rolle und Pinsel sauber und fusselfrei
  • Raum ohne Zugluft und direkte Sonne, Temperatur im angegebenen Bereich
  • genug Zeit eingeplant, um eine Seite ohne Pause fertigzustellen
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Muss ich eine Tür vor dem Lackieren abschleifen?
Komplett abschleifen ist meist nicht nötig. Ein intakter Altlack wird nur angeschliffen, damit der neue Lack haftet, typischerweise mit feinem Schleifpapier um Körnung 180 bis 240. Abplatzende oder stark beschädigte Stellen werden bis auf festen Untergrund geschliffen, gespachtelt und vorgestrichen.
Welcher Lack ist für Zimmertüren besser, Acryl oder Kunstharz?
Acryllack auf Wasserbasis riecht wenig, trocknet schnell und vergilbt kaum, deshalb ist er für weiße Türen in Wohnräumen die übliche Wahl. Kunstharzlack verläuft oft etwas glatter und ist sehr strapazierfähig, riecht aber stärker und trocknet langsamer. Entscheidend ist, dass das Produkt laut Hersteller auf den vorhandenen Altanstrich passt.
Kann man eine CPL- oder Folientür lackieren?
Das ist möglich, aber anspruchsvoller. Glatte Kunststoffoberflächen wie CPL oder Dekorfolie brauchen gründliches Anschleifen und einen dafür geeigneten Haftgrund, sonst blättert der Lack ab. Bei beschädigter oder sich lösender Folie ist Lackieren keine gute Lösung.
Wie lange muss eine lackierte Tür trocknen?
Die Angaben stehen auf dem Gebinde und hängen von Lack, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Oberflächlich trocken ist Acryllack oft nach wenigen Stunden, voll belastbar aber erst deutlich später. Hängen Sie die Tür erst wieder ein, wenn sie griffest ist, und schließen Sie sie in den ersten Tagen vorsichtig, damit nichts an der Dichtung festklebt.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Dvery.