Innentüren

Innentür kürzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Neuer Boden, Tür schleift: wie Sie ein Türblatt sauber kürzen, welche Türarten das vertragen und wann Sie besser die Finger davon lassen.

Redaktion Dvery · Stand 26. Oktober 2026

Eine Innentür kürzen Sie in fünf Schritten: Maß ermitteln, Türblatt aushängen, Schnittlinie anzeichnen und abkleben, mit Führungsschiene sägen und die Schnittkante versiegeln. Mit einer Tauch- oder Handkreissäge ist das in einer Stunde erledigt. Vorher sollten Sie klären, wie die Tür aufgebaut ist, denn davon hängt ab, wie viel Sie abnehmen dürfen.

Ein Grund ist fast immer ein neuer Bodenbelag. Laminat mit Dämmung, Fliesen oder ein dicker Teppich heben den Boden an, und die Tür schleift. Sind es nur wenige Millimeter, reicht oft das Anheben über die Bänder. Wie das geht, steht im Artikel Tür schleift am Boden. Fehlt mehr, ist Kürzen der richtige Weg.

Vorab: Darf diese Tür gekürzt werden?

Türart Kürzen möglich? Hinweis
Massivholztür ja auf Füllungen und Rahmenkonstruktion achten
Röhrenspantür ja, meist mehr als Wabe offene Röhren an der Kante versiegeln
Vollspantür ja schwer, gute Auflage beim Sägen nötig
Wabentür (Wabenkern) nur wenig schmaler Rahmen unten, sonst Leiste einsetzen
Glastür (ESG) nein Einscheibensicherheitsglas lässt sich nicht nachträglich schneiden
Brand- oder Rauchschutztür nein Zulassung erlischt bei Veränderung
Tür mit absenkbarer Bodendichtung nur nach Herstellerangabe Dichtung sitzt in der Unterkante

Welcher Kern in Ihrer Tür steckt, verraten oft ein Etikett im oberen Falz, die Montageanleitung oder das Gewicht. Wabentüren sind spürbar leichter als Röhrenspantüren. Beim Klopfen klingen sie hohler.

Glastüren werden bei Bedarf über die Bandaufnahme angehoben oder durch ein Glas mit passendem Maß ersetzt. Welche Normmaße es dafür gibt, zeigt der Bereich Türmaße.

Werkzeug und Material

  • Tauchsäge mit Führungsschiene, alternativ Handkreissäge mit feinzahnigem Blatt und Anschlagleiste
  • zwei Schraubzwingen, zwei Böcke oder ein stabiler Tisch
  • Zollstock oder Maßband, Bleistift, Anschlagwinkel
  • Kreppband und Cuttermesser
  • Schleifklotz mit Schleifpapier, Körnung um 120 und 180
  • Lack, Grundierung oder Kantenversiegelung passend zur Oberfläche
  • bei Wabentüren: Holzleiste in Rahmenstärke und Holzleim

Schritt 1: Das richtige Maß ermitteln

Messen Sie nicht an der alten Tür, sondern am neuen Boden. Das Ziel ist ein gleichmäßiger Spalt zwischen Türunterkante und fertigem Boden.

  1. Tür schließen und an der Unterkante markieren, wo der neue Boden liegt. Bei schwimmend verlegtem Laminat inklusive Dämmung messen.
  2. Den gewünschten Luftspalt dazurechnen. Üblich sind wenige Millimeter bis etwa ein Zentimeter. Bei Teppich etwas mehr, damit die Tür frei über den Flor läuft.
  3. Bei Räumen mit Lüftungsanlage oder fensterlosen Bädern prüfen, ob ein größerer Spalt als Überströmöffnung vorgesehen ist.
  4. An mehreren Punkten im Schwenkbereich messen. Ist der Boden uneben, gilt der höchste Punkt.

Ein Beispiel: Der neue Belag ist 12 mm höher, die Tür hatte vorher 8 mm Luft und soll wieder 8 mm haben. Dann müssen rund 12 mm vom Türblatt ab.

Schritt 2: Tür aushängen

Tür etwa im rechten Winkel öffnen, mit beiden Händen an Ober- und Unterkante greifen und senkrecht nach oben aus den Bändern heben. Bei schweren Türen hilft eine zweite Person. Den Drücker vorher abzuschrauben, schützt Tür und Wand beim Ablegen.

Die Tür flach auf zwei Böcke oder einen Tisch legen, mit einer weichen Unterlage gegen Kratzer. Welche Seite nach oben zeigt, hängt von der Säge ab, siehe Schritt 3.

Schritt 3: Anzeichnen und abkleben

  1. Das Maß an beiden Seiten der Unterkante abtragen und mit einer geraden Leiste verbinden.
  2. Kreppband entlang der Linie auf beide Seiten kleben. Es verringert das Ausfransen von Furnier, Lack und Folie.
  3. Die Schnittlinie mit einem Cuttermesser und Lineal durch das Band hindurch einritzen. So reißt die Oberfläche beim Sägen nicht unkontrolliert aus.

Bei der Handkreissäge sägt das Blatt von unten nach oben. Die Splitter entstehen daher auf der Oberseite. Legen Sie die empfindlichere Seite nach unten. Bei der Tauchsäge mit Splitterschutz an der Schiene ist das weniger kritisch.

Schritt 4: Sägen

  1. Führungsschiene oder Anschlagleiste mit Zwingen fixieren. Den Abstand zwischen Schiene und Sägeblatt vorher an einem Reststück prüfen.
  2. Schnitttiefe einstellen: wenige Millimeter mehr als die Türstärke.
  3. Gleichmäßig und ohne Stopp durchschieben. Am Ende das abfallende Stück stützen, damit es nicht ausbricht.

Bei Wabentüren sehen Sie nach dem Schnitt, ob der untere Rahmen noch geschlossen ist. Ist Wabe sichtbar, kleben Sie eine passend zugeschnittene Holzleiste in die Öffnung. Nach dem Trocknen bündig schleifen.

Schritt 5: Schleifen und versiegeln

  • Die Schnittkante leicht mit Schleifpapier glätten und die Kanten brechen, damit Furnier und Folie nicht ausreißen.
  • Kreppband vorsichtig abziehen, schräg vom Schnitt weg.
  • Die Schnittkante versiegeln: Roher Holzwerkstoff saugt Feuchtigkeit aus dem Wischwasser und kann aufquellen. Lack, Grundierung oder eine passende Kantenversiegelung schützen davor. Besonders wichtig ist das bei Bad- und Küchentüren.

Schritt 6: Einhängen und prüfen

Tür wieder in die Bänder heben, schließen und den Spalt prüfen. Schleift sie noch an einer Stelle, ist der Boden dort höher. Ein kleiner Rest lässt sich mit dem Schleifklotz nacharbeiten, bei größeren Abweichungen über die Bänder ausgleichen.

Und die Zarge?

Wird ein neuer Boden verlegt, endet er in der Regel nicht vor der Zarge, sondern läuft darunter. Dafür werden die Zargenfüße unten um die Stärke des neuen Belags freigeschnitten. Am einfachsten gelingt das mit einer Japansäge, die flach auf einem Reststück des Belags geführt wird. So entsteht genau der Spalt, den der Belag braucht. Das ist sauberer als ein Silikon- oder Leistenabschluss vor der Zarge.

Alternativen zum Kürzen

Nicht immer ist die Säge die beste Lösung. Prüfen Sie vorher diese Wege:

  • Tür über die Bänder anheben: Fehlen nur wenige Millimeter, reicht oft das Verstellen der Bandaufnahmen oder ein Bandring. Das ist rückgängig zu machen, Kürzen nicht.
  • Neues Türblatt bestellen: Ist die Tür alt, beschädigt oder ohnehin unmodern, kann ein neues Türblatt im passenden Maß sinnvoller sein. Viele Hersteller liefern Türblätter auch mit Sonderhöhe oder gekürzt ab Werk.
  • Übergangsprofil anpassen: Stört nur eine Teppichkante an der Schwelle, löst ein flacheres Profil das Problem, ohne die Tür anzufassen.

Selbst machen oder Fachbetrieb?

Das Kürzen einer normalen Zimmertür ist eine typische Heimwerkerarbeit. Wer keine Tauch- oder Handkreissäge hat, kann sie im Baumarkt oder bei einem Werkzeugverleih ausleihen. Für eine einzelne Tür lohnt sich der Kauf selten.

Einen Tischler oder Fachbetrieb sollten Sie hinzuziehen, wenn mehrere Türen auf einmal gekürzt werden müssen, wenn es sich um hochwertige Massivholztüren mit empfindlicher Oberfläche handelt oder wenn Sie bei einer Wabentür eine Leiste einsetzen müssen und darin keine Übung haben. Bei Brandschutz-, Rauchschutz- und Schallschutztüren mit Absenkdichtung ist der Hersteller oder ein von ihm benannter Betrieb der richtige Ansprechpartner.

Typische Fehler

  • Am alten Boden gemessen statt am neuen: Die Tür ist zu lang oder zu kurz.
  • Ohne Führung gesägt: Die Kante läuft schief und der Spalt wird ungleichmäßig.
  • Zu viel bei einer Wabentür abgenommen: Die Unterkante ist offen und instabil.
  • Kante nicht versiegelt: Die Tür quillt unten auf, oft erst nach Monaten sichtbar.
  • Brandschutztür gekürzt: Die Zulassung erlischt, und die Tür erfüllt ihre Funktion im Ernstfall möglicherweise nicht mehr.

Mehr über Bauarten, Oberflächen und Ausstattung von Zimmertüren finden Sie im Bereich Innentüren. Wer eine ganz neue Tür einbauen möchte, findet die passenden Maße unter Türmaße.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie viel darf man von einer Innentür abschneiden?
Das hängt vom Aufbau ab. Massivholztüren lassen sich deutlich kürzen. Bei Röhrenspan- und Vollspantüren ist meist mehr möglich als bei Wabentüren, deren unterer Rahmen oft nur schmal ist. Viele Hersteller nennen in der Montageanleitung ein Höchstmaß. Fehlt die Angabe, bleiben Sie zurückhaltend und prüfen nach dem ersten Schnitt, ob der Rahmen noch geschlossen ist.
Welche Säge eignet sich zum Kürzen einer Tür?
Am saubersten gelingt der Schnitt mit einer Tauchsäge an einer Führungsschiene mit Splitterschutz. Eine Handkreissäge mit feinzahnigem Blatt und einer festgeklemmten Leiste als Anschlag funktioniert ebenfalls. Stichsägen sind für lange gerade Schnitte weniger geeignet, weil das Blatt verläuft und die Kante ausfranst.
Was mache ich, wenn nach dem Kürzen die Wabe sichtbar ist?
Dann ist der untere Rahmen ganz oder teilweise weggeschnitten. Die Tür ist an der Unterkante offen und weniger stabil. Abhilfe schafft eine passend zugeschnittene Holzleiste, die mit Holzleim in die Öffnung geklebt und nach dem Trocknen bündig geschliffen und versiegelt wird.
Muss ich auch die Zarge kürzen?
Wenn der neue Boden bis an die Zarge geführt wird, nicht. Üblich ist, den Bodenbelag unter die Zarge zu schieben. Dafür wird die Zarge unten mit einer flach geführten Säge um die Stärke des Belags freigeschnitten. Das Türblatt muss dann trotzdem um die Höhendifferenz gekürzt werden.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Dvery.