Glastür für Innenräume: Sicherheitsglas, Maße und Beschläge
ESG oder VSG, welches Maß für welche Zarge, wie schwer eine Ganzglastür ist und welche Bänder und Schlösser dazugehören: die Kaufkriterien im Überblick.
Redaktion Dvery · Stand 26. Oktober 2026
Eine Glastür für Innenräume besteht aus Sicherheitsglas, im Wohnbereich meist aus 8 mm Einscheibensicherheitsglas (ESG). Für eine vorhandene Normzarge wird das Glastürblatt passend zum Baurichtmaß gekauft, dazu kommen Glastürbänder für die Bandaufnahme der Zarge und ein Glastürschloss. Weil Sicherheitsglas nachträglich nicht bearbeitet werden kann, müssen Maß, Anschlag und Beschlag vor der Bestellung sicher feststehen.
Einen Überblick über Glas-, Schiebe- und Pendeltüren gibt der Bereich Schiebetüren und Glastüren. Dieser Beitrag geht auf die Auswahl im Detail ein.
Glasarten: ESG und VSG
ESG (Einscheibensicherheitsglas) entsteht, indem eine Glasscheibe erhitzt und schnell abgekühlt wird. Dadurch steht die Oberfläche unter Druckspannung, die Scheibe wird deutlich bruch- und stoßfester als normales Floatglas. Bricht sie doch, zerfällt sie in viele kleine, meist stumpfkantige Krümel. Die Verletzungsgefahr ist damit gering, die Öffnung ist danach aber frei. ESG ist der Standard für Ganzglas-Drehtüren und Ganzglas-Schiebetüren im Wohnbereich.
VSG (Verbundsicherheitsglas) besteht aus zwei oder mehr Scheiben, die mit einer reißfesten Folie verbunden sind. Bei einem Bruch haften die Splitter an der Folie, die Scheibe bleibt geschlossen. VSG wird gewählt, wenn auch nach einem Bruch eine Barriere bleiben soll oder wenn ein höherer Schutz gefragt ist.
Eine Besonderheit von ESG ist der sehr seltene Spontanbruch durch Einschlüsse im Glas. Gegen dieses Risiko wird ESG mit einem zusätzlichen Heißlagerungstest angeboten, das sogenannte ESG-H. Für Innentüren ist das keine Pflicht, kann aber bei großen Flächen eine Option sein.
| Merkmal | ESG | VSG |
|---|---|---|
| Aufbau | eine vorgespannte Scheibe | zwei oder mehr Scheiben mit Folie |
| Bruchbild | kleine, stumpfe Krümel, Öffnung frei | Splitter haften an der Folie, Scheibe bleibt zu |
| Typischer Einsatz | Ganzglas-Drehtür, Schiebetür, Pendeltür | wo nach Bruch eine Barriere bleiben soll |
| Nachbearbeitung | nach dem Vorspannen nicht möglich | eingeschränkt, je nach Aufbau |
Maße: Glastür für eine Normzarge
Glastürblätter für Drehtüren werden in Größen angeboten, die zu den Normzargen nach DIN 18101 passen. Ausgangspunkt ist das Baurichtmaß der Zarge, also das Maß, mit dem die Öffnung geplant wurde. Welche Normmaße es gibt und wie man sie ermittelt, zeigt die Tabelle im Beitrag Innentür-Maße nach DIN 18101.
| Baurichtmaß der Zarge (B × H) | übliches Glastürblatt (B × H) |
|---|---|
| 750 × 2000 mm | 709 × 1972 mm |
| 875 × 2000 mm | 834 × 1972 mm |
| 1000 × 2000 mm | 959 × 1972 mm |
| 875 × 2125 mm | 834 × 2097 mm |
Diese Maße sind im Handel üblich, können aber je nach Hersteller und Zargensystem leicht abweichen. Maßgeblich ist die Angabe des Glastür- oder Zargenherstellers. Messen Sie vor der Bestellung das Falzmaß der Zarge und prüfen Sie, ob die Zarge lot- und winkelgerecht sitzt. Ein Holztürblatt verzeiht kleine Abweichungen, ein Glastürblatt nicht.
Der Anschlag DIN links oder DIN rechts muss ebenfalls vorher feststehen, weil die Bohrungen für Bänder und Schloss vor dem Vorspannen gesetzt werden.
Glasstärke und Gewicht
Für Ganzglas-Drehtüren ist 8 mm ESG die gängige Stärke. Für sehr große Türen und manche Schiebeanlagen werden auch 10 mm angeboten. Mit der Stärke steigt das Gewicht:
- Glas wiegt rund 2,5 kg pro Quadratmeter und Millimeter Dicke.
- 8 mm Glas wiegen damit etwa 20 kg pro Quadratmeter.
- Ein Türblatt mit 834 × 1972 mm hat rund 1,6 m² Fläche und wiegt gut 30 kg.
Das ist mehr als bei vielen Röhrenspantüren. Bänder, Zarge und Befestigung müssen für dieses Gewicht ausgelegt sein. Bei älteren, leicht befestigten Zargen lohnt eine Prüfung, ob sie fest in der Wand sitzen.
Bänder: passend zur Zarge
Glastüren werden nicht mit gewöhnlichen Einbohrbändern, sondern mit Glastürbändern angeschlagen, die die Scheibe zwischen zwei Platten klemmen. Entscheidend ist, dass das Band zur vorhandenen Bandaufnahme der Zarge passt:
- Holzzargen haben eine andere Bandaufnahme als Stahlzargen, entsprechend gibt es verschiedene Bandsysteme.
- Bandhöhe und Bandabstand müssen zur Zarge passen. Bei Normzargen sind sie abgestimmt, bei älteren Zargen können sie abweichen.
- Die Tragkraft der Bänder sollte zum Gewicht des Türblatts passen. Für schwere Türen gibt es dreiteilige oder verstärkte Bänder.
Nennen Sie beim Kauf deshalb Zargenart, Baurichtmaß und Anschlag. Seriöse Händler fragen das ohnehin ab.
Schlösser und Griffe
Auch das Schloss sitzt nicht im, sondern am Glas, als aufgesetzter Schlosskasten mit Gegenkasten oder Schließblech in der Zarge. Üblich sind:
- Buntbart- oder Bundbartschloss: für Zimmertüren ohne besonderen Anspruch
- Profilzylinderschloss: für Räume, die abschließbar sein sollen
- WC-Schloss mit Olive: für Bad und Gäste-WC, möglichst mit Notöffnung von außen
- Schloss ohne Falle (Magnetschloss oder Rollfalle): wirkt besonders reduziert und schließt leise
Drückergarnituren für Glastüren haben Rosetten oder Schilder, die auf das Schlossgehäuse abgestimmt sind. Mehr zu Schlossarten und Drückern bietet der Bereich Schlösser und Beschläge.
Glasdesigns und Sichtschutz
| Ausführung | Wirkung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Klarglas | maximal Licht und Durchblick | Wohnzimmer, Küche, Flur ohne Sichtschutzbedarf |
| satiniert, vollflächig | Licht ja, Sicht nein | Bad, WC, Schlafzimmer, Arbeitszimmer |
| satiniert mit Motiv oder Streifen | Teilsichtschutz, dekorativ | Flur, Wohnräume |
| gelasert oder sandgestrahlt | Motiv mit Tiefe, sehr individuell | Akzent in Wohnräumen |
| farbig oder bedruckt | starke Gestaltungswirkung | Einzeltüren als Blickfang |
Klarglas zeigt Fingerabdrücke deutlich, satinierte Flächen sind im Alltag etwas pflegeleichter. Achten Sie bei satiniertem Glas auf die Pflegehinweise des Herstellers, weil manche Oberflächen keine scheuernden oder öligen Reiniger vertragen.
Glastür als Drehtür, Pendeltür oder Schiebetür
- Drehtür in der Normzarge: die häufigste Lösung im Bestand. Bestehende Zarge, neues Glastürblatt, passende Bänder.
- Pendeltür: schwingt in beide Richtungen und braucht Pendelbänder oder einen Bodentürschließer. Sie ist praktisch zwischen Küche und Essbereich, braucht aber Platz auf beiden Seiten.
- Schiebetür: Ganzglas-Schiebetüren laufen meist vor der Wand an einer Schiene mit Klemmhaltern. Wann eine Vorwand- und wann eine Einbaulösung passt, erklärt der Beitrag Schiebetür vor oder in der Wand.
Schallschutz und Wärme
Ein Ganzglastürblatt schließt in einer Normzarge ähnlich wie eine leichte Zimmertür. Für ein ruhiges Schlafzimmer oder ein Arbeitszimmer ist eine Glastür deshalb selten die beste Wahl. Glas ist dafür maßhaltig und verzieht sich bei Feuchte und Temperaturschwankungen nicht, was es auch für Bad und Küche geeignet macht.
Einbau und Sicherheit im Alltag
Ein Glastürblatt in eine bestehende Normzarge einzuhängen, schaffen geübte Heimwerker mit zwei Personen. Die Kanten sind die empfindlichste Stelle, deshalb das Türblatt nie direkt auf Fliesen oder Estrich abstellen, sondern auf Holzklötze oder eine weiche Unterlage, und beim Tragen nicht an Kanten anschlagen.
Im Alltag zählt vor allem, dass niemand die Tür übersieht. Bei Klarglas helfen Markierungen in Augenhöhe, etwa ein satinierter Streifen, besonders in Haushalten mit Kindern oder älteren Menschen. Ein Türstopper verhindert, dass die Tür gegen Wand oder Heizkörper schlägt.
Pflege
Klarglas reinigen Sie wie ein Fenster mit Wasser, etwas Spülmittel oder Glasreiniger und einem Abzieher oder Mikrofasertuch. Satinierte und bedruckte Flächen sind empfindlicher: Hier keine Scheuermittel, keine kratzenden Schwämme und keine fett- oder silikonhaltigen Reiniger verwenden, weil sie Flecken hinterlassen können. Bänder und Schloss gelegentlich auf festen Sitz prüfen, da das Gewicht der Tür auf Dauer an den Klemmungen zieht.
Checkliste vor der Bestellung
- Baurichtmaß der Zarge und Falzmaß gemessen
- Zargenart (Holz oder Stahl) und Bandaufnahme geklärt
- Anschlag DIN links oder DIN rechts festgelegt
- Glasart (ESG, eventuell VSG) und Stärke gewählt
- Design und Sichtschutz passend zum Raum
- Schlossart (Buntbart, Profilzylinder, WC, ohne Falle) und Drücker
- Zarge auf festen Sitz und Gewichtsreserve geprüft
Fragen und Antworten
- Passt eine Glastür in jede vorhandene Zarge?
- In die meisten Normzargen ja, wenn das Glastürblatt zum Baurichtmaß passt und die Bänder zur Bandaufnahme der Zarge. Holz- und Stahlzargen haben unterschiedliche Bandaufnahmen, deshalb gibt es verschiedene Bandsysteme. Prüfen Sie außerdem, ob die Zarge das höhere Gewicht des Glastürblatts trägt und gerade eingebaut ist.
- Wie schwer ist eine Ganzglastür?
- Glas wiegt rund 2,5 kg pro Quadratmeter und Millimeter Dicke. Ein Türblatt aus 8 mm ESG wiegt damit etwa 20 kg pro Quadratmeter, ein Standardblatt mit 834 × 1972 mm also gut 30 kg. Bänder, Zarge und gegebenenfalls Laufschiene müssen dafür ausgelegt sein.
- Was ist sicherer, ESG oder VSG?
- Beide gelten als Sicherheitsglas, schützen aber unterschiedlich. ESG ist sehr bruchfest und zerfällt beim Bruch in kleine, stumpfe Krümel, die Öffnung ist danach frei. VSG besteht aus mehreren Scheiben mit Folie, die Splitter haften nach einem Bruch an der Folie und die Scheibe bleibt geschlossen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Einsatzort ab.
- Lässt sich eine Glastür kürzen?
- Nein. ESG kann nach dem Vorspannen nicht mehr geschnitten, gebohrt oder geschliffen werden, sonst zerspringt es. Alle Bohrungen für Bänder und Schloss und alle Kantenbearbeitungen werden vor dem Vorspannen gemacht. Deshalb müssen Maße und Anschlag vor der Bestellung feststehen.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Dvery.